Transkript career to go #377 Marco über seinen Arbeitsalltag im Forensic Consulting bei KPMG
Teaser Marco: Und an der Stelle ist mir persönlich noch mal wichtig zu betonen, dass wir bei KPMG Forensic sowohl in Investigations allgemein, aber auch in solchen forensischen Interviews im speziellen neutral reingehen und auch neutral an die Sache herangehen. Also wir sind nicht da, um zu verurteilen. Unser Auftrag ist da ziemlich klar: Wir stellen Fakten zusammen. Nur mit dem Ansatz kann so eine Untersuchung auch wirklich gelingen.
Introsound: Career to go. Was macht man in einem bestimmten Job? Career to go. Wie wird man fit für die Arbeitswelt?
Konstanze Marie Teschna: Study Drive fragt nach. Hallo und herzlich willkommen zu Career to Go, dem Karriere-Podcast von Study Drive. Mein Name ist Konstanze Marie Teschna. Was passiert, wenn in einem Unternehmen der Verdacht auf Betrug, Compliance-Verstöße oder Unregelmäßigkeiten im Raum stehen? In dieser Folge spreche ich mit Marco über seinen Alltag im Forensic Consulting bei KPMG. Wir sprechen über die Zusammenarbeit mit Kunden in sensiblen Situationen, über den Umgang mit Daten, Interviews und internen Stakeholdern bis hin zu den Skills, die in diesem Feld wirklich zählen. Herzlich willkommen, Marco.
Marco: Danke schön, Konstanze. Freut mich, dass ich hier sein kann und dass ich ein bisschen über die Forensik bei KPMG berichten darf.
Konstanze: Ich bin so gespannt auf den Einblick in dieses spannende Themenfeld. Bevor wir uns dem widmen, würde ich mich gerne mit dir der Rubrik zum Kennenlernen widmen: „Die fantastischen Vier“. Bist du bereit?
Marco: Ich bin bereit. Kann gerne losgehen.
Konstanze: Screentime. Wie verbringst du deine Zeit am liebsten unproduktiv?
Marco: Abends oder am Wochenende merke ich schon, dass mein Social-Media-Konsum höher ist, als es noch vor einigen Jahren war.
Konstanze: Ja, das kenne ich. Afterwork Reset. Was ist dein Goto-Ritual nach einem intensiven Arbeitstag, um wieder runterzukommen?
Marco: Sport. Also, ich mache gerne funktionales Training und High Intensity Intervall Training und ich merke, dass ich mich dabei ausschließlich mit mir, mit meinem Körper auseinandersetze und nicht über alles mögliche nachdenke.
Konstanze: Gamehow, welches ist dein Lieblingsspiel?
Marco: Mein Lieblingsspiel ist wahrscheinlich Monopoly.
Konstanze: Tab Safari, wie viele Browser-Tabs hast du gerade offen und was sagt das über deinen Arbeitsstil?
Marco: Ich muss einmal reinschauen. Ich habe 1, 2, 3, 4, 5, 6 Browser-Tabs offen, aber ich habe gleichzeitig acht Excel-Dateien offen. Ich glaube, dass das jetzt weniger über den Arbeitsstil an sich sagt, aber mehr über die Projektanforderungen, die wir aktuell haben. Also, ich glaube, meine Kolleginnen und Kollegen aus dem aktuellen Projekt wissen vermutlich ziemlich genau, von welchen acht Excel-Dateien ich gesprochen habe.
Konstanze: Super gut, vielen Dank. Das war der perfekte Übergang in unser Interview, wo wir uns nicht diesen Tabellen widmen können, aber deinem Arbeitsstil und was dich halt im Alltag beschäftigt. Vielen, vielen Dank für diesen ersten Start.
Marco: Gerne.
Konstanze: Nimm uns mal mit an den Anfang. Wie bist du zu KPMG gekommen und was hat dich dazu gebracht, in der Forensik zu starten?
Marco: Also, ich habe bei KPMG in einem ganz anderen Bereich angefangen. Wir waren in einem Großprojekt und haben da auch teilweise Betrugsfälle analysiert. Mich hat das sehr interessiert und ich hatte dann das Glück, dass ich mich vor Ort mit Leuten austauschen konnte, die einen direkten Draht in die Forensikabteilung bei KPMG haben.
Konstanze: Mhm. Und was hast du studiert? Es gibt jetzt ja keinen Studiengang, der direkt dorthinführt, oder?
Marco: Richtig. Ich habe Kommunikationswissenschaft und Rechtswissenschaft im Bachelor studiert und International Management im Master. Es gibt tatsächlich nicht den einen maßgeschneiderten Forensik-Studiengang, auch wenn sehr viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Wirtschaftsrecht kommen.
Konstanze: Mhm. Okay, verstehe. Und für alle, die wie ich die Forensik bisher nur aus der Medizin kennen, was umfasst Forensik bei KPMG konkret? Also welche typischen Themen und Fälle bearbeitet ihr und wo liegt die Abgrenzung zur IT oder zur klassischen Beratung?
Marco: Forensik bei KPMG beschäftigt sich primär mit der Prävention, Aufdeckung und Aufklärung von Wirtschaftskriminalität. Wir unterstützen Unternehmen dabei, Verdachtsfälle wie Betrug oder Korruption zu untersuchen, finanzielle Schäden zu beziffern und Verantwortlichkeiten aufzuklären. Wirtschaftskriminelle Handlungen kommen in fast allen Unternehmensbereichen vor.
Bei KPMG Forensic sind wir dabei ziemlich interdisziplinär aufgestellt. Es gibt den Bereich Fraud Risk Management, da geht es um Prävention und die Suche nach Schwachstellen in Prozessen. Dazu gehören Risikoanalysen und Präventivmaßnahmen. Dann gibt es den Bereich Cyber Incident Response, wenn Unternehmen Opfer von Cyberangriffen werden. Hier helfen wir, Angriffe einzugrenzen und die Ursachen zu verstehen. Der Unterschied zur Cyber Security ist, dass Incident Response erst greift, wenn der Angriff schon stattgefunden hat.
Mein Schwerpunkt liegt bei den Forensic Investigations. Wir führen unabhängige Untersuchungen bei Hinweisen auf Betrug, Unterschlagung oder Korruption durch. Wir klären, was passiert ist, wer beteiligt war und wie hoch die Schäden sind, um eine belastbare Dokumentation für das Gericht zu liefern. Der Unterschied zur Wirtschaftsprüfung ist, dass wir kein Testat ausstellen und nicht bescheinigen, dass ein Unternehmen „fraud-frei“ ist.
Konstanze: Braucht man für den Einstieg bestimmte Qualifikationen oder bekommt man Schulungen von KPMG?
Marco: Programme wie der Certified Internal Auditor sind wertvoll und man kann sie bei KPMG machen. KPMG bietet eine breite Palette an Forensic-Schulungen an, wie forensische Fachtrainings mit realitätsnahen Fällen oder Spezialtrainings für forensische Interviews.
Konstanze: Kannst du mir einen konkreten Fall skizzieren? Ich stelle mir das wie Detektivarbeit vor.
Marco: Ein Forensic-Projekt ist sehr vielschichtig. Ich habe in den letzten Jahren an Orten wie Lateinamerika, dem südlichen Afrika, Teilen Europas und dem Nahen Osten gearbeitet. Oft beginnt es mit einem Verdacht oder einem Hinweis auf Fehlverhalten. Wir gehen meist als Team von drei bis zehn Personen rein.
Ein großer Teil der Arbeit ist die Datenanalyse. Wir lesen nach datenschutzrechtlicher Prüfung tausende E-Mails und Chatnachrichten verdächtiger Personen. Wir prüfen Buchungsdaten und Belegketten. Besonders spannend sind die inoffiziellen Prozesse, die entstehen, wenn Mitarbeiter pragmatische Lösungen im Alltag entwickeln. In einem Fall mussten wir 50 % von meterlangen Schrankwänden voller Ordner physisch prüfen, die in der Landessprache verfasst waren.
In einem Fall in Afrika oder Lateinamerika wurden mutmaßlich Gelder systematisch ausgeschleust. Ich arbeitete drei Wochen mit einer Person zusammen, die kooperativ war. In einem sehr warmen Besprechungsraum ohne funktionierende Klimaanlage zeigte ich ihr eine auffällige Banküberweisung. Die Stimmung im Raum änderte sich sofort. Die Person zögerte und erklärte uns dann präzise am Laptop, wie Dokumente manipuliert wurden, damit sie echt aussehen.
In einem anderen, sehr anspruchsvollen Fall gab es neben dem Geldraub eine konkrete Bedrohungslage gegen eine Person, die unter Personenschutz stand. Unser Auftrag blieb die Faktenklärung, aber das Vorgehen musste auf die Sicherheit dieser Person zugeschnitten sein. Am Ende der Untersuchung führten wir forensische Interviews mit den Verdächtigen.
Dabei ist Neutralität entscheidend. Wir sind nicht da, um zu verurteilen, sondern um Fakten zu sammeln. Solche Gespräche erfordern enorme Konzentration. Man achtet auf Zwischentöne und leise Signale wie Veränderungen in der Stimme oder im Blick. In diesem speziellen Fall war am Ende sogar eine gewisse Erleichterung bei den Beteiligten spürbar, dass das Versteckspiel ein Ende hatte.
Konstanze: Wie bereitet ihr solche Interviews vor?
Marco: Sie leben von der Vorbereitung. Wir haben einen klaren Ablauf und einen Fragenkatalog, den wir flexibel einsetzen. Wir fragen ohne Wertung und fassen beleggestützt nach. Da wir als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Unabhängigkeit verpflichtet sind, sprechen Mitarbeiter mit uns oft anders als mit Vorgesetzten oder der HR-Abteilung. Wir wahren die professionelle Distanz, hören aber trotzdem empathisch zu.
Konstanze: Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Kunden ab?
Marco: Sie ist geprägt von Dringlichkeit und einem Bedürfnis nach Sicherheit. Wir sprechen anfangs mit einer kleinen Gruppe aus der Rechtsabteilung, Compliance oder dem Top-Management. Wenn die Richtung feststeht, organisieren wir den Datenzugriff und halten regelmäßige Abstimmungen. Schwierig wird es nur, wenn potenziell verdächtige Personen versuchen, selbst an der Untersuchung mitzuwirken. Da braucht man Menschenkenntnis und Empathie.
Konstanze: Marco, vielen Dank für diesen spannenden Einblick. Ich bin total begeistert.
Marco: Danke dir, hat sehr viel Spaß gemacht.
Konstanze: Liebe Hörerinnen, ich hoffe, ihr seid genauso begeistert. Lasst uns gerne eine positive Bewertung auf Spotify da und werft einen Blick in die Shownotes für Infos zu KPMG und offenen Stellen. Vielen Dank und auf Wiederhören.